Dienstag, 23. Februar 2016

Zauberhafte Operette



Vor einigen Tagen durfte ich zusammen mit dem Salonensemble Ingolstadt, der Sopranistin Karin Law Robinson-Riedl (Vorsicht Nepotismus – ist meine Gemahlin) und dem Bariton Rudolf Eduard Laué die Aufführung der Operette „Frau Luna“ mitgestalten.

Nun kann bei einer szenischen Bearbeitung, welche naturgemäß nicht die gesamte Handlung wiedergeben kann, ein Moderator nicht schaden, welcher das Publikum durch das (operettentypisch ziemlich skurrile) Geschehen führt. Zudem musste die Umkleidezeit überbrückt werden: Die beiden Sänger verkörperten im Wechsel knapp ein Dutzend Rollen des Stückes – und es gelang ihnen, musikalisch und darstellerisch, prächtig.

Ich wollte allerdings auch zaubern. Warum? Abgesehen davon, dass dies zu meinen Leidenschaften zählt: Ein Problem von Musikdarbietungen ist sicherlich, dass die optische Schiene, über die der Mensch mindestens zwei Drittel seiner Informationen bezieht, ziemlich vernachlässigt wird. Die Musiker stehen halt die ganze Zeit an der gleichen Stelle und bedienen ihre Instrumente – was auch sonst? Und da wir uns Tänzerinnen, Bühnenfeuerwerk, Bodennebel oder Lasershow nicht leisten konnten, gab es magisch was auf die Augen!

Selbstredend ist es wichtig, dass die Effekte nicht allzu aufgesetzt wirken – man muss Bezüge zur Handlung suchen: Wenn also Theophil, der Haushofmeister des Mondes, oder die Luna-Zofe Stella mit ihren Staubwedeln agieren, kann man die gelegentlich mal färben; ebenso den Fächer, mit dem Frau Luna „inkognito“ einen Walzer tanzt. Entsprechend bietet sich beim „Expressballon“ eine Schwebe an – und am Schluss erscheinen das „Triumphgemüse“ für die Mitwirkenden sowie die Konfetti natürlich magisch! Ebenso kann das korrekte Verlassen des Zuschauerraums zur Pause mittels „Exit“ erklärt werden…

Sicherlich ist man bei solchen Auftritten weitestgehend an optisch sich selbst erklärende Effekte gebunden – eine „Sprechnummer“ zwischendurch würde als Fremdkörper empfunden. Und, an meine Kollegen von der „Nur Alltagsgegenstände“-Fraktion: Nö, das ganze Operettenflair ist künstlich und fantastisch, da würde man Glimmerröhren glatt vermissen!

Was mir besonders wichtig war: Nicht nur Zauberroutinen, sondern auch Musikaufführungen benötigen einen durchlaufenden Rhythmus. Nichts ist gefährlicher als unmotivierte Pausen, welche die Zuschauer aus der Illusion holen. Dies zu verhindern ist wohl die Hauptaufgabe eines (zaubernden) Moderators.

Eine Rundfunkreporterin stellte mir nach der Aufführung die (vorhersehbare) Frage, warum mich die Kombination von Operette und Zauberei so reize. Meine Antwort: Es gäbe wohl kaum weitere Sujets, die so aus der Zeit gefallen wären. Daher sollte man sie kombinieren…

Klar, klassische Zauberkunst mit Federblumen und Seidentüchern ist ein „alter Hut“ – und dem wahren Musikliebhaber erscheint die Operette handlungsmäßig schwachsinnig und musikalisch primitiv.

Ich konnte die Probenarbeit der Musiker zeitweise begleiten und darf daher versichern: Der Komponist Paul Lincke gehört nicht zur „Hansi-Hinterseer-Abteilung“ – die Partitur enthält jede Menge „Amateurbremsen“. Was der Fagottist Hartwig Simon hier allein bei der Bearbeitung der einzelnen Stimmen leistete, bemisst sich in einer dreistelligen Zahl von Arbeitsstunden. Nicht weniger Mühe gab sich die Chefin Swetlana Gilman (Violine) bei der Einstudierung mit ihren Kolleginnen Stephanie Fischer (Viola), Beate Hacker (Klarinette) und Gabi Mamikonian (Klavier) – allesamt Vollblutmusikerinnen, welche bei der Aufführung über sich hinauswuchsen. Nicht vergessen dürfen wir Bettina Kollmannsberger, die als "Kammerzofe" hinter den Kulissen die vielen Kostümwechsel erst ermöglichte!

Und das Libretto? Es ist erstaunlich frisch, frech, schnoddrig und ironisch. Ich musste als Autor weiß Gott schon schlechtere Texte bearbeiten! Und wenn man in der Handlung nach einem Sinn fahndet, findet man ihn sogar: Auf der Suche nach Exotik und Abenteuer treibt es einen bis zum Mond – und was findet man da? Nur sich selber…

Wir hatten ein volles Haus, und – gemessen an der Publikumsreaktion – brachten wir den Spaß (der Handlung und unseren eigenen) über die Rampe. Was wollen wir mehr?

Dies war nun – in wechselnden Besetzungen – schon die vierte Aufführung von „Frau Luna“. Weitere sind geplant, und ganz egoistischerweise freue ich mich darauf. Warum? Ich bin einfach gerne an guten Sachen beteiligt!

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