Montag, 11. Oktober 2021

Meine magischen Gedanken 7

 

Pleiten, Pech und Pannen

Mein neues Video behandelt ein Thema, über das Zauberer meist schweigen: Was tun, wenn ein Trick danebengeht?

Tatsächlich gilt auch in der magischen Kunst „Murphys Gesetz“: Alles, was schief gehen kann, wird auch schiefgehen.

Die Möglichkeiten sind vielfältig: Manchmal sieht man sich Vorführbedingungen ausgesetzt, welche Pannen geradezu erzwingen. Man kann im Vorfeld versuchen, diese auszuschließen, indem man auf geeignete Arrangements besteht. Öfters ist es aber vor Ort dann doch anders. Dagegen kann man wenig tun – obwohl die Zuschauer dafür natürlich den Künstler verantwortlich machen.

Oft genug ist man an Patzern auch selber schuld. Hat man dann zu wenig geübt? Ich muss gestehen, kein „Trainingsfanatiker“ zu sein. Dennoch meine ich: Meist liegt es daran nicht. Zauberei hängt halt – im Gegensatz zu anderen Künsten – von einer riesigen Zahl von Faktoren ab.

Wenn dann von den über hundert Einzelteilen, die man zu einem Auftritt braucht, eines „herumzickt“, kann das eine ganze Routine zu Fall bringen. Oder ein Zuschauer, der sich im unpassendsten Moment einmischt, die Musikanlage, welche plötzlich den vorgesehenen Titel nicht abspielen will – oder der Wind, welcher unerwartet Tücher vom Tisch weht.

Wie soll man mit alledem umgehen? Ich plädiere für Gelassenheit: Eine seelenlose Perfektion wird nicht verlangt und von mir auch nicht versprochen. Und manche Pannen haben sogar Unterhaltungswert.

Im Video schildere ich herrliche Geschichten, die zumindest im Rückblick äußerst amüsant sind – und auch Rezepte, wie man sich nicht aus der Bahn werfen lässt:

https://youtu.be/Wxlck_ec2so 

P.S. Uns ist durchaus aufgefallen, dass der Sonnenstand für eine originelle Beleuchtung unseres Wintergartens gesorgt hat. Wir haben uns aber entschlossen, das Video nicht nochmal zu drehen, sondern den ersten Take (wie immer ungeschnitten) zu verwenden. Die spontanen Reaktionen meiner beiden Zuschauerinnen wären nicht wiederholbar gewesen!      

Donnerstag, 9. September 2021

Lieder mit Worten

 

Irgendwo überm Regenbogen,

ganz weit oben,

da ist ein Land,

von dem mir einst

ein Wiegenlied erzählte.

So sagte ich zu Beginn unseres Konzerts am letzten Sonntag den ersten Titel an: den Judy Garland-Klassiker „Over the Rainbow“ – weltbekannt durch den Märchenfilm „Der Zauberer von Oz“.

Eigentlich wollten wir unseren Auftritt „Chansonkonzert“ nennen. Bei der Programmplanung fiel mir jedoch immer mehr auf: Es gibt in vielen Bereichen der Unterhaltungsmusik Stücke, bei denen der Text mindestens so wichtig ist wie die Melodie. Daher boten wir eine sehr ungewöhnliche Mischung aus Operette, Musical, Tango, Wienerlied, Filmmusik, Jazz sowie Schlager und nannten das Programm „Lieder mit Worten“.

Duo Tango Varieté
„Als geblüht der Kirschenbaum“ aus Carl Zellers „Vogelhändler“ war ebenso vertreten wie die Schlagobers-Weisen „In einem kleinen Café in Hernals“ sowie „In Wien gibt’s manch winziges Gasserl“ des unvergessenen Robert Stolz. An Caterina Valente erinnerten wir mit ihrem 1958er-Hit „Spiel noch einmal für mich, Habanero“. Wir präsentierten ebenfalls den ersten deutschen Siegertitel im europäischen Schlagerwettbewerb: Ralph Siegels „Ein bisschen Frieden“.

Spiel noch einmal für mich, Habanero
 Aus dem amerikanischen Filmmusical hatten wir Fred Astaires „The Way you look Tonight“ sowie Gershwins „Love ist here to stay” gewählt – und Chaplins „Smile“ durfte ebenso wenig fehlen.

Mit dem Welthit „My Way“ untrennbar verbunden ist die Sänger-Legende Frank Sinatra – und meine Lieblings-Jazzballade „Stardust“ musste schon wegen des genialen Textes von Mitchell Parish ins Programm.

Bei den Tangos fiel uns die Auswahl schwer – schließlich entschieden wir uns für den Gardel-Klassiker „Por una Cabeza“ sowie für „Nunca tuvo novio“, das neben der Gänsehaut-Melodie einen ganz ungewöhnlichen, poesievollen Text besitzt. Dazu passte Kurt Weills Ballade vom Land der Sehnsucht: Youkali“.

Bei den deutschsprachigen Chansons musste mit „Über den Wolken“ und „Gute Nacht, Freunde“ unbedingt Reinhard Mey vertreten sein – und Hildegard Knef mit „Für mich soll’s rote Rosen regnen“.

Einen Schwerpunkt bildete natürlich das französische Chanson. Edith Piaf stellten wir mit ihrem Welterfolg „La vie en rose“ vor – und vor allem bei „Milord“ sorgten unsere beiden Musikerinnen mit ihrer Interpretation für atemlose Momente. Wunderbar sensibel präsentierten sie ebenfalls Jacques Préverts „Feuilles mortes“.

Bei uns weniger bekannt ist der französische Schauspieler und Sänger Charles Trenet, den wir in der „Schlusskurve“ unseres Konzerts mit „La Mer“ und „Que reste-t-il de nous amours?“ „Was bleibt von unseren Liebschaften?“  vorstellten. Trenet hat dazu auch den wunderbaren Text verfasst:

Verblasstes Glück, Haare im Wind,

gestohlene Küsse, bewegende Träume:

Was bleibt von alledem?

Sag es mir!

Ein kleines Dorf, ein alter Kirchturm,

eine Landschaft, so gut versteckt,

und in einer Wolke das liebe Gesicht

aus meiner Vergangenheit 

Da sicher nicht alle Gäste die vier Sprachen verstanden, in denen Karin die Stücke vortrug, versuchte ich in meiner Moderation, mit der Übersetzung einiger Zeilen zumindest die Themen der einzelnen Lieder zu erläutern.

Immer wieder fasziniert bin ich von der musikalischen Symbiose des „Duo Tango Varieté“, deren Entwicklung ich in vielen Proben verfolgen konnte. Bettina Kollmannsberger ist nicht nur eine hervorragende Akkordeon-Spielerin, sondern übernimmt inzwischen mit ihrer schönen Altstimme bei etlichen Stücken den Refraingesang – wieder eine „Farbe“ mehr in der Darbietung!

Für meine Frau Karin stand bei diesem Programm natürlich der Gesang im Vordergrund, wobei sie die Violinstimme bei vielen Titeln ebenfalls sehr effektvoll einsetzte.

Für den Moderator und Zauberer ist ein solches Team eine „g’mahte Wiesn“ – man muss bei den Ansagen die eigene Begeisterung wahrlich nicht schauspielerisch darstellen! Wir inspirieren uns gegenseitig.

Nach dem „Zauberhaften Tango“ vor mehr als zwei Jahren war dies das zweite eigene Konzert in unserem Heimatort. Nicht nur wegen Corona hatten wir uns entschlossen, es als private Veranstaltung anzubieten. Unser „Fanclub“ in Pörnbach und anderswo ist groß genug, dass wir auf öffentliche Werbung und das Gezerre mit der Lokalpresse verzichten können, ob man uns in einem Fünf-Quadratzentimeter-Artikel ankündigt oder hinterher einen nichtssagenden Bericht in ähnlicher Größe veröffentlicht.

Nein: Wir spielen für die Leute, welche unsere Musik wirklich schätzen. Berühmt werden wollen wir nicht.

Ebenfalls Glück hatten wir mit dem tollen Spätsommer-Wetter, so dass wir im idyllischen Hinterhof des Gasthauses Bogenrieder auftreten konnten – im Freien ganz ohne Corona-Auflagen. Über 50 Besucher waren gekommen, die uns viel Lob spendeten – und einige ließen den Abend mit einem Essen im Biergarten gemütlich ausklingen. Sie müsse erstmal emotional wieder runterkommen, meinte eine Besucherin. So war das gedacht…

Als Zugabe hatten wir Vera Lynns „We’ll meet again“ ausgesucht. Den Grund erklärte ich in meiner abschließenden Moderation:

Dieses Konzert war eigentlich geplant für den Juni 2020. Damals ging es leider nicht, aus bekannten Gründen. Unsere beiden Damen sind dann einfach auf die Straße gegangen – oder auf die Terrasse – und haben da über hundert kleine Abendkonzerte gesungen und gespielt. Und die Nachbarn haben zugehört, vom Balkon oder der Straße aus – viele haben auch mitgesungen. Das Ziel war eigentlich immer: Wir werden unser Konzert noch einmal machen – so wie die britische Sängerin Vera Lynn das in ihrem Lied für die Soldaten des 2. Weltkriegs versprach, welches in der Pandemie-Zeit eine neue Bedeutung gewann und wieder herausgebracht wurde:

Wir sehen uns wieder,

weiß nicht wo, weiß nicht wann.

Doch ich weiß:

Eines sonnigen Tages werden wir uns wiedersehen.

Behalte dein Lächeln, wie du es immer tust,

bis der blaue Himmel die dunklen Wolken vertreibt.

Wir werden uns wiedersehen!

Dies ist nicht als vage Aussicht zu verstehen: Derzeit arbeiten wir an zwei neuen Konzert-Ideen. Und das wird hoffentlich nicht wieder anderthalb Jahre dauern!

P.S. Für die schönen Fotos danken wir Manuela Bößel und Gerhard Kollmannsberger!

Sonntag, 29. August 2021

Meine magischen Gedanken 6

 

Mein Motiv, Beiträge zur Zauberkunst, zum Tango oder zu schulischen Verhältnissen zu verfassen, ist meist: Nicht über Themen zu schreiben, bei denen ich auch nicht viel anderes zu bieten hätte als das, was schon Tausende vor mir ausgedrückt haben.

Eher reizen mich Bereiche, wo sich die meisten so hoffnungslos einig sind – und wo ich dennoch das Gefühl habe, das Gegenteil könnte zutreffender sein. Ich nehme es gern in Kauf, dass dies bei vielen Missvergnügen auslöst – so lange es auch Leser gibt, welche genau meine Perspektive interessant und spannend finden.

Gerade bei der Zauberei für Kinder findet man Klischees haufenweise: Es sei ja viel einfacher, kleine Zuschauer zu täuschen, hierzu müsse man sich folglich weniger anstrengen und dürfe daher mit einem niedrigeren Honorar zufrieden sein: „Es ist ja nur für die Kleinen“. Daher brauche es auch keinen besonderen Rahmen: Es reiche, wenn der Zauberer auf einer Wiese vorm Haus stünde – „und die Kinder können sich ja auf den Boden setzen“.

Vorstellungen fürs junge Publikum unterscheiden sich aber gewaltig von denen für Erwachsene. Wer sich dieser speziellen Anforderungen nicht bewusst ist, sollte in diesem Metier lieber nicht zaubern.   

Näheres in meinem Video:

https://www.youtube.com/watch?v=t60VmTy00BU

Sonntag, 8. August 2021

Meine magischen Gedanken 5

 

Diesmal musste ich meinen Ärger über einen Trend in der Zauberei loswerden: den ständigen „Mitwirkungszwang“ gerade bei Mentaleffekten: Als Zuschauer soll ich mir andauernd Kartenwerte merken, Rechnungen ausführen oder irgendwas beschriften oder unterschreiben. Nach dem „Prinzip Schadenfreude“ werde ich vom Künstler dabei noch mit einem Viertelpfund seiner Sprüche und Witzchen traktiert.

Darf ich nicht einfach entspannt eine Darbietung verfolgen, ohne ständig zur „Mitarbeit“ verdonnert zu werden?

Was mich zudem stört, ist die Vorhersehbarkeit dieser Kunststücke: Klar wird der Magier die gedachte Karte erraten oder sogar die Lottozahlen richtig vorhersagen. Ich finde nur, man verzichtet dabei auf ein wichtiges Prinzip der Zauberei: den Überraschungseffekt.

Ich bezweifle, dass wir in unserer Branche glücklich damit werden, stets nach dem Motto „Ich habe das besser gewusst“ zu arbeiten. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass die Zuschauer sich stets dämlich vorkommen – gerade bei den bekannten „Aufsitzer-Effekten“. Das kann dazu führen, dass man Ihnen hernach nichts mehr durchgehen lässt, sondern verbissen nach Erklärungen sucht.

Als Gegenbeispiel habe ich den legendären Fred Kaps beschrieben, der scheinbar immer wieder selber verblüfft von dem war, was sich in seinen Händen abspielte. Die unendliche Salzvermehrung („Long Pour Salt“) in seiner preisgekrönten Bühnennummer hat mein magisches Denken komplett verändert.

Über den dreifachen FISM-Weltmeister habe ich schon einmal berichtet:

https://diemagiedesgr.blogspot.com/2015/04/fred-kaps-es-geschah-in-seinen-handen.html

Zum Abschluss zeige ich im Video meinen Lieblings-Mentaleffekt. Ich hatte gehofft, in einem einzigen Take durchzukommen, da das Überraschungsmoment für meine Kamerafrau Manuela nicht wiederholbar gewesen wäre. Ihre Reaktion spricht Bände.

Doch sehen Sie selbst:

https://www.youtube.com/watch?v=AJe6YcoF42A