Montag, 6. April 2020

Farbverwandlungsspiel


Dieses Kunststück gehört schon eher in die hochkarätige Abteilung der Kartenzauberei. Ganz ohne Geschicklichkeit geht es dabei nicht. Außerdem benötigen Sie eine Trickkarte. Zauberkünstler haben die sicherlich in ihrer Sammlung, aber als Laie kann man sie auch selber herstellen.

Effekt:
Aus einem Päckchen mit rotem Rücken wählt ein Zuschauer eine beliebige Karte. Plötzlich verwandelt sich das Spiel in eines mit blauem Rücken – es enthält lediglich eine Karte mit roter Rückseite: die des Zuschauers! Doch auch diese letzte Rückseite verwandelt sich – nun hat das gesamte Spiel blaue Rücken!

Material:
Man benötigt ein Spiel mit blauer Rückseite sowie eine so genannte „Doppelrückenkarte“, die auf der einen Seite einen blauen und auf der anderen einen roten Rücken hat. 
Sie sind aber nicht an diese Farben gebunden! Wichtig ist nur, dass sich die Spielrücken einigermaßen deutlich unterscheiden. Und eine Doppelrückenkarte können Sie herstellen, indem Sie zwei entsprechende Karten mit den Bildseiten aufeinanderkleben.

Routine und Vortrag:

Legen Sie auf den Rücken des blauen Spiels die Doppelrückenkarte mit der roten Seite nach oben. (Überzeugend wäre es, wenn Sie es auch aus einem roten Etui holen.)
Drehen Sie das Spiel nun mit der Bildseite nach oben und klemmen es in die rechte Daumengabel (Handrücken oben). Nun ziehen Sie Karten von oben einzeln in die linke Hand, wo sie übereinander landen („Hindu Shuffle“). Zwischendurch können Sie die Karten in Ihrer Rechten glattstoßen und wieder die rote Rückenseite zeigen. Nach dem Stopp-Signal Ihres Helfers werfen Sie das Restspiel in der rechten Hand auf die Karten links:





„Nehmen wir einmal ein Spiel mit rotem Rücken! Ich ziehe jetzt Karten ab – wie man sieht, gibt es eine große Auswahl – und Sie, meine Dame, sagen irgendwo ‚Halt‘. Gut! Merken Sie sich bitte diese Karte! Sie wissen noch, welche Rückenfarbe das Spiel hat? Rot? Nun, inzwischen hat es sich in ein blaues verwandelt!“

Drehen Sie das Spiel um und fächern es mit beiden Händen kurz durch (man sieht blaue Rücken), bis Sie zur roten Karte kommen. Beim Zusammenschieben sorgen Sie dafür, dass diese Karte über die danebenliegende kommt:


Dann streifen Sie das Spiel rückenoben auf dem Tisch aus und nehmen alle Karten vor der roten weg und legen sie dahinter – die rote Karte wird also beim Zusammennehmen die oberste! (Darunter liegt die vom Zuschauer gewählte.)

„Im Spiel gibt es nur noch eine einzige rote Karte. Es wäre natürlich ein Riesen-Zufall, wenn das Ihre gewählte wäre… Welche Karte hatten Sie sich angeschaut? Die Herz 3? Tatsächlich, es ist die Herz 3!“

Heben Sie die obersten zwei Karten als eine ab (Dublieren) und zeigen sie mit der Bildseite: Es ist die vom Zuschauer gewählte! Tipp: Schieben Sie die oberen Karten des Spiels ein wenig schräg zu sich hin! So können Sie mit dem Daumen exakt zwei Karten hochnehmen, die anderen Finger liegen an deren Oberrand – bis auf den Zeigefinger, welcher die Karte(n) ein wenig nach vorn durchbiegt. So sollte nicht erkennbar sein, dass es sich um zwei Karten handelt:

Legen Sie die beiden Karten bildoben aufs rückenobene Spiel zurück und streifen es zügig auf dem Tisch aus. Die Zuschauer-Karte (bildoben) nehmen sie in die Hand, streifen über die anderen Karten und drehen sie genüsslich um – auch sie hat nun einen blauen Rücken!

„Unglaublich – Sie haben die einzige Karte mit einem andersfarbigen Rücken erwischt! Aber wenn ich mit der über die anderen Karten streife haben wir wieder ein Spiel mit lauter gleichfarbigen Rücken!“

Das „Hindu-Mischen“ und vor allem das Dublieren muss man schon ein Stündchen üben – dafür haben Sie aber zwei Kunstgriffe, die man bei vielen Kartentricks einsetzen kann (oder sogar muss).

Vor allem aber zeigen Sie einen Effekt, der völlig an dem vorbeigeht, was das Publikum vielleicht erwartet. Für den Zuseher verwandelt sich schließlich ein komplettes Kartenspiel!

Viel Spaß beim Üben und Vorführen!

P.S. Manchmal gibt es auch via Bildübertragung eine kleine Close up-Vorstellung für Fans:

Samstag, 4. April 2020

Das verrückte Ferienhotel


Erfahrene Kollegen dürfen diesen Artikel überspringen: Der Effekt ist uralt und in unseren Kreisen wohlbekannt. Zudem ist er ein „Selbstgänger“, den man völlig improvisiert und ohne geheime Manipulationen vorführen kann.

Leider werden solche „alten Hüte“ in unserer Branche chronisch unterschätzt und dadurch kaum gezeigt. Ich garantiere Ihnen aber: Dieses Kunststück wirkt auf ein Laienpublikum äußerst verblüffend und unterhaltsam, da der ganze Ablauf durch eine überzeugende Geschichte gerechtfertigt wird.

„Viele von uns würden ja momentan gerne verreisen… geht leider nicht. Aber die Zauberei bietet uns die Chance, dies in unserer Fantasie zu tun! Dazu eine kleine Geschichte: In einem Ferienhotel trafen nachmittags vier junge Männer ein. Da der Wirt noch vier freie Doppelzimmer hatte, konnte er jedem von ihnen eines vermieten.“

Suchen Sie aus einem beliebigen Spiel die vier Buben heraus und legen sie bildoben kreuzweise aus – die Reihenfolge der Farben ist egal:

„Womit der Wirt nicht gerechnet hatte: Am späteren Abend kamen noch vier junge Damen und wollten ebenfalls übernachten. Der Hotelier bat die vier jungen Herren, doch zwei der Doppelzimmer zu räumen, doch die blieben stur: Nein, sie schliefen schon fast – also warum der ganze Aufwand? Die Mädels könnten ja die Doppelbetten mit benutzen, kein Problem!
Was blieb den Damen übrig – na ja, junge Leute halt…“

Suchen Sie dabei die vier Damen des Spiels heraus und legen sie bildoben farblich passend auf die Buben.

„Wenn man kein Glück hat, kommt noch Pech dazu: Eine Stunde vor Mitternacht klopfte es schon wieder an der Hoteltür: Vier ältere Herren hatten sich bei einer Wanderung verirrt und trafen daher so spät ein. Was sie nur noch bräuchten, sei ein Bett zum Schlafen!
Nun gut, in den Zimmern stand je ein Sofa, wenn die Herren damit Vorlieb nehmen würden? Gesagt, getan!“

Suchen Sie die vier Könige heraus und legen sie entsprechend dazu.

„Gegen Mitternacht brach ein schreckliches Unwetter herein – und mit ihm vier ältere Damen, die eine Autopanne hatten und nicht mehr weiter konnten. (Da es im Kartenspiel keine älteren Damen gibt – wie schön, drum hab ich mich der Magie ergeben – nehmen wir die vier Asse!) Was blieb dem armen Gastwirt übrig? Er suchte vier Schlafsäcke zusammen und verteilte die Ladies auf die Zimmer.
Die Türen schlossen sich.“

Verfahren Sie ebenso mit den vier Assen. Schlussbild:

Dann drehen Sie alle vier Päckchen rückenoben:

„Der Wirt wollte gerade selber schlafen gehen, als es schon wieder an der Tür klopfte, diesmal höchst energisch: ‚Fremdenpolizei – bitte aufmachen!‘ Ach, du guter Gott – Passkontrolle, Gästebuch, peinliche Fragen… Im ersten Stock glaubte er, ein hektisches Getrappel und Gerenne zu vernehmen. Meine Dame, würden Sie das Durcheinander noch verstärken?“

Nehmen Sie eines der vier Päckchen (welches ist egal) und legen es im Uhrzeigersinn auf das nächste, dann diese beiden auf das dritte, schließlich alles auf das vierte. Lassen Sie einen Zuschauer einmal oder auch öfter abheben.

Legen Sie anschließend die Karten rückenoben einzeln hintereinander in Kreuzform aus – wieder im Uhrzeigersinn. Sie verfahren also in der Weise, als ob Sie die Karten an vier Spieler Blatt für Blatt austeilen würden!

„Leider waren die Herren Polizisten extrem neugierig und wollten einen Blick in die Zimmer werfen – Sittenkontrolle und so! Doch was erblickten sie beim Öffnen der Türen?“

Drehen Sie die vier Päckchen bildoben und staunen sie: Die vier Kartenwerte liegen sortiert in je einem Päckchen, hoffentlich auch in derselben Sequenz der Farben. Sollte dies einmal nicht der Fall sein, können Sie es unauffällig korrigieren:


„Ganz brav schliefen in einem Raum die vier jungen, im nächsten die vier älteren Herren, und auch bei den jungen und älteren Damen war alles sittsam aufgeräumt!
Nachdem die Beamten sich enttäuscht… äh zufriedengestellt verabschiedet hatten, fiel der erschöpfte Hotelier sofort ins eigene Bett.
Daher entging ihm das erneute Getrappel, Gerenne und Türenschlagen im ersten Stock.“

Verfahren Sie wie gehabt, indem sie die Päckchen in genau der gleichen Weise wie vorher rückenoben drehen, aufeinander stapeln, abheben lassen und wieder einzeln austeilen.

„Am nächsten Morgen war der Hotelbesitzer dann doch neugierig, was seine Gäste getrieben hatten. Er legte sich vor den Zimmern auf die Lauer – und siehe da: Die Herrschaften waren doch nicht so brav gewesen, denn aus jedem Raum kam ein junger und ein älterer Herr, eine junge und eine ältere Dame. Ein verrücktes Ferienhotel!“

Wenn Sie alles richtig gemacht haben, sollten in jedem Päckchen alle vier Kartenwerte vorkommen – noch dazu in übereinstimmender Farbe:

Zu erklären gibt es dazu eigentlich nichts – das Ganze arbeitet vollautomatisch und ist sicher bei längerem Nachdenken zu entschlüsseln. Daher kommt es entscheidend darauf an, wie gut Sie die Geschichte präsentieren, denn: Die meisten Zaubertricks sind Wörtertricks (hatte ich ja schon mal erwähnt…).

Viel Spaß!

P.S. Der Text eignet sich natürlich nicht für Kinder! Da würde ich den Effekt einfach ohne Worte ausprobieren lassen. Die Kleinen freuen sich bestimmt, wenn sie selber „zaubern“ können! Und schon wieder sind zwei Stunden Corona-Quarantäne" überstanden...

Donnerstag, 2. April 2020

Kontakt mit dem Publikum


Dies ist sicherlich der wichtigste Bereich jeder Performance, bei dem Sie Ihre persönliche Wirkung einsetzen müssen und der über Erfolg oder Scheitern einer Darbietung entscheidet – egal, ob es sich um eine Moderation, einen Zauberauftritt, ein Referat oder eine Schulstunde handelt!
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Ich habe Vorstellungen erlebt, bei denen der Magier wie unter einer Käseglocke
arbeitete, während das Publikum, da weitgehend unbeschäftigt, ziemlich bald den Charakter einer „Parallelgesellschaft“ annahm.

Gründe hierfür finden sich auf beiden Seiten: Durch die heutige Medienpräsenz
sind viele (vor allem jüngere) Zuschauer daran gewöhnt, dass es dem flimmernden Bildschirm vor ihnen egal ist, ob jemand an dem Geschehen Anteil nimmt oder nicht – und was zu schwierig ist und das (immer geringer werdende) Konzentrationsvermögen überfordert, wird halt „weggezappt“!

Die gewichtigere Ursache liegt aber wohl beim Vorführenden: Häufig ist der so absorbiert von Handhabung, Ablauf und Text seiner Zaubereffekte, dass er für die Anwesenden kaum noch ein Auge hat.

Sie gewinnen oder verlieren Ihr Publikum in den ersten 30 Sekunden!
Ausdruck
Gerade das Intro einer Darbietung muss die Zuseher sofort „anspringen“, damit sie erst gar nicht die Chance bekommen, auf Distanz zu gehen. Also lassen Sie das einleitende Geschwafel und kommen Sie sofort zur Sache! Das zweitstärkste Kunststück Ihres Programms kommt an den Beginn – und das tollste zum Schluss!

Dazwischen dürfen Sie es fallweise gemütlicher angehen lassen, wobei Sie nach dem Prinzip „Spannung - Entspannung“ immer wieder Dramatik und Höhepunkte einbauen. Ein gleichförmiges Tempo dagegen ließe die Betrachter früher als gewünscht „abschlaffen“.

„Was gestrichen ist, kann nicht durchfallen.“ (Kurt Tucholsky)

Wenn die Zuschauer unruhig bzw. unkonzentriert werden, lassen Sie die schwächeren Programmpunkte aus und steuern umgehend die „Schlusskurve“ mit dem (hoffentlich) überzeugenden Finale an. Dies ist besonders wichtig bei Kindervorstellungen: Während Erwachsene schon aus Höflichkeit oft trotz Ermüdung die Augen offen halten, bekommen Sie ein junges Publikum kaum noch in den Griff. Der Schlusseindruck entscheidet, und es wäre Ihr „Super-GAU“, wenn die letzten fünf Minuten in der allgemeinen Unruhe untergingen!

Die Zeitdauer eines Auftritts ist stets eine „gefühlte“ Größe!

Noch nie hat mich ein Veranstalter gerügt, wenn ich die vorgesehene Auftrittsdauer unterschritten habe. Wenn es toll läuft, hat man nach dem Eindruck von Laien eh „relativ kurz“ gezaubert, und das Gegenteil ist nicht erstrebenswert. Gerade bei größeren Feiern wurden die Gäste meist schon mit einer Unmenge von Darbietungen
respektive viel Essen und Trinken versorgt – dass sie zu Beginn Ihrer Vorführung dann bereits „abgefüllt“ sind (in welchem Sinne auch immer), ist nicht Ihre Schuld, oft genug wissen Sie das vorher gar nicht so genau.

Die richtige Programmdauer haben Sie gewählt, wenn es nachher heißt: „Schade, dass es schon vorbei ist“ und nicht „Wann hört der denn endlich auf?“

Verzichten Sie auf das heute übliche Getue mit mindestens drei Zugaben! Wenn Sie einen (hoffentlich gigantischen) Schlusseffekt bringen, geht danach nichts mehr. Daher kündige ich den meist als „Zugabe“ an!

Führen Sie stets einen Dialog mit den Zuschauern!

Das gilt auch, wenn diese nicht mit Worten reagieren! Mit der Zeit werden Sie es
schaffen, die Fragen, die Ihnen unausgesprochen gestellt werden, zu beantworten, auf Lachen, Gemurmel, Unruhe etc. zielgenau einzugehen.

Dies lernt man allerdings nur bei realen Auftritten – schon deshalb ist das Üben am Schreibtisch, vor dem Spiegel oder der Videokamera kein Ersatz. Lassen Sie lieber eine „echte“ Vorstellung von sich aufnehmen und analysieren hinterher alle Probleme und Schwächen. Bei Testvorführungen vor Zauberkollegen (die ja das Geheimnis kennen oder zumindest ahnen) bekommen Sie eine Einschätzung, die mit der Perspektive von Laien wenig zu tun hat und Sie dadurch in die Irre führen könnte! (Ich spreche da aus leidvoller Erfahrung…)

Arbeiten Sie nicht für die Gäste, sondern mit dem Publikum!

Ein wichtiges Stilmittel ist der abwechselnde Augenkontakt mit verschiedenen
Zuschauern; stellen Sie sich vor, dass Sie dabei mit genau dieser einen Person sprechen. Vergessen Sie nicht die ganz hinten Sitzenden, dann wird Ihre Stimme auch laut genug! Besonders übungsbedürftig ist dies, wenn Sie auf der Bühne ins grelle Scheinwerferlicht schauen – dann müssen Sie sich entsprechenden Menschen einfach vorstellen.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, gelegentlich einen „Assistenten“ – stellvertretend für alle – ins magische Geschehen einzubeziehen. Diese Variante erfordert jedoch viel Fingerspitzengefühl; keinesfalls dürfen Sie an Ihrem Partner grobe Scherze exekutieren bzw. den Kontrast zwischen „Alles- und Nichtskönner“ betonen. Lassen Sie bei Frauen die dämlichen „Anmachsprüche“ – die kennen Ihre Zuseher bereits – und ja: Sie sind als Zauberer engagiert und nicht als Witzeerzähler!

Halten Sie Publikums-Beteiligungen kurz! Minutenlang auf der Bühne herumsitzende „Helfer“ zerdehnen den Zeitablauf, da sie ausführlich instruiert bzw. korrigiert werden müssen.

Die Gretchenfrage: Lieben Sie Ihr Publikum?

Glauben Sie mir: Die Zuschauer merken es, ob Sie ihnen mit einer positiven Einstellung gegenübertreten oder heimlich denken: „Jetzt muss ich auch noch für diese Idioten auftreten!“

Klar, jeder von uns hat schon Vorstellungen in gänzlich kulturlosem Ambiente erlebt (und ich war zusätzlich 35 Jahre lang Lehrer…). Dennoch: Ohne die Menschen, welche vor Ihnen sitzen, könnten Sie Ihre Leidenschaft nicht ausleben. Daher schulden Sie ihnen Dankbarkeit und Zuwendung.

Es ist Ihre Show!

So notwendig es ist, sein Publikum höflich und freundlich zu behandeln, so wenig dürfen Sie sich die Inszenierung aus der Hand nehmen lassen. Es mag Anlässe geben, wo Sie nicht gewinnen können – insbesondere, wenn viel Alkohol im Spiel ist oder die Zauberei halt überhaupt nicht in den gegebenen Rahmen passt. Manchmal sehen sich die Gastgeber auch außerstande, geeignete Vorführbedingungen zu schaffen, so dass Sie keine Chance haben, „über die Rampe zu kommen“ (ungünstige Sichtbedingungen, Lärmbelästigung, keine adäquate Vorbereitung möglich usw.).

Ich versuche daher im Vorfeld stets, so viel wie es geht über eine Veranstaltung zu erfahren, notfalls durch einen Lokaltermin vor Ort. Wenn ich mir nicht hinreichend sicher bin, dass ich eine reelle Chance habe, sage ich ab. Lieber ein Engagement weniger als der ganze Ärger – und vor allem eine weitere Diskreditierung der Zauberei als eine Kunst, die „beim Zuschauer nicht ankommt“!

Zauberei ist Theater!

Meist liegt es aber an der Show selbst, wenn der Kontakt mit dem Publikum
nicht klappt oder bald verloren geht. Wieso folgen die Zuschauer einem Theaterstück meist ruhig, konzentriert und ohne Zwischenrufe? In erster Linie deshalb, weil sie den Eindruck einer bis ins Letzte geprobten und durchgehenden Inszenierung haben, bei der man nicht stören darf! Wenn Sie eine solche Vorführung bieten, wird das Resultat ähnlich sein. Vermeiden Sie alles, bei dem die Zuschauer „den Faden verlieren“ könnten: umständliche Texte, komplizierte Abläufe, unmotivierte Verzögerungen, zu geringe Lautstärke, schlechte Sichtbarkeit etc.

Sie müssen sich nicht rechtfertigen!

Machen Sie sich nach außen hin (!) nicht abhängig von den Reaktionen Ihrer Zuseher! Diese werden sonst darauf konditioniert, den Gang Ihres Programms beeinflussen zu können. Damit fordern Sie (weitere) Zwischenrufe geradezu heraus! Sie müssen auch nicht für jeden Trick einen Helfer zu sich bitten, alle möglichen Requisiten untersuchen lassen oder ständig begründen, warum Sie dieses tun oder jenes lassen. Speziell vor Kindern kommen Sie schnell in eine „Rechtfertigungsspirale“, aus der es kein Entrinnen gibt.

Kämpfe mit dem Publikum können Sie nur verlieren!

Im Zweifel ist es besser, Zwischenrufe zu überhören und stattdessen Lautstärke und Vorführtempo zu erhöhen. Voraussetzung ist natürlich, dass Sie sich die Sympathie des Publikums erworben haben. Es wird dann solche Störungen eher missbilligen und Ihnen umso aufmerksamer lauschen.

Auf Zwischenrufe einzugehen ist gefährlich, da Sie damit den Anspruch
billigen, von Ihnen jederzeit irgendwelche Antworten fordern zu dürfen. Riskant sind vor allem freche Sprüche („Killerphrasen“) als Reaktion. Sympathisiert nämlich die Mehrheit mit dem „Störenfried“ (spätestens bei einer ungeschickten Bemerkung Ihrerseits), so haben Sie bald das Auditorium gegen sich. Diesen Machtkampf können Sie nicht gewinnen, also lassen Sie sich erst gar nicht darauf ein, sondern konzentrieren Sie sich auf das, was von Ihnen erwartet wird:

Zaubern Sie, und zwar dalli!

Merke: Das Publikum hat immer recht! Aber es bekommt auch bestenfalls
die Vorstellung, die es verdient…

Ich habe bei diesem Text ein Kapitel aus meinem Zauberbuch (S. 38 -42) neu bearbeitet: