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Montag, 28. August 2023

Tuch-Färbung-Ei

 

Dieses Kunststück bedeutet mir sehr viel. Wenn Zuschauer oder Veranstalter mich auf einen Effekt meines Programms ansprachen, ging es fast stets um diesen – oder das Ringspiel.

Es muss Anfang der 1980er Jahre gewesen sein, als ich Eckhard Böttcher live bei der Vorführung seiner Routine bewundern durfte – und ich war hin und weg von deren Wirkung.

Dabei war der Plot sehr einfach: Ein rotes Seidentuch verwandelt sich in den Händen des Magiers in ein weißes – und dieses dann wieder zurück in ein rotes. Im zweiten Teil wird dieses Tuch schließlich zu einem Ei. Auch dieser Trick wird scheinbar erklärt, wobei sich zum Schluss herausstellt, dass es sich um ein echtes Hühnerei handelt!

Die Faszination dieser Folge besteht darin, dass man das Publikum immer wieder auf falsche Fährten schickt – und das mit einem Text aus der Kategorie „höherer Blödsinn“.

In seinem Zauberbrief Nr. 23 (August/September 1985) schrieb Eckhard Böttcher, er habe sich endlich „breitschlagen“ lassen, den Effekt nebst ausführlicher Beschreibung in einer limitierten Auflage zu verkaufen. Innerhalb von fünf Minuten erreichte ihn mein Fax mit der Bestellung!

Was mich bis heute begeistert: Die Routine nebst Text ist wirklich in jeder Phase absolut durchdacht und ausgefeilt. Es ist eine Freude, sie vorzuführen und die Reaktionen des Publikums zu erleben!

Seit Anfang 1986 habe ich „Tuch-Färbung-Ei“ zirka 400 Mal gezeigt. Der Effekt passt ideal in die Kategorie „Partyzauberei“: kein großer Aufbau, keine schwierigen Präparationen, „Zauberei aus dem Koffer“. Und im ersten Drittel der Vorstellung sorgt er zuverlässig für eine positive Stimmung, die mich durch das weitere Programm trägt.

25 DM habe ich damals für dieses Kunststück aus der „Zauber Butike“ bezahlt – es hat mir sicherlich das Hundertfache an Gage eingespielt.

Erst neulich habe ich es – nach einer längeren Pause – wieder einmal vorgeführt. Die erschlagende Wirkung ist immer noch die gleiche wie vor 37 Jahren!

Wieder einmal gebe ich daher zu bedenken, ob wir Zauberer bei all den „Neuheiten“ die Bedeutung der „Klassiker“ nicht unterschätzen. Sie faszinieren das Publikum nach wie vor.

Lange Zeit war im Internet Eckhard Böttchers Präsentation in der Sendereihe „Magisches Intermezzo“ zu sehen. Inzwischen ist sie dort offenbar verschwunden. Ich habe mich daher entschlossen, mit meinem Video diesem großartigen Kollegen ein kleines Denkmal zu setzen:

https://www.youtube.com/watch?v=jxAaeTQjHNY

 

Mittwoch, 22. Februar 2023

Partyzauberei: Zauberstab-Routine

Vor vielen Jahren kam ich auf die Idee, meine zahlreichen Kunststücke mit dem bekanntesten Requisit unseres Faches zu einer Routine zusammenzufassen. Ich führte die (öfters wechselnde) Effektfolge in Kinderprogrammen vor. Thema: „Welchen Zauberstab würdet ihr euch wünschen?“ Nach einer kurzen Einleitung mit einem Satz aus „Harry Potter“ kam dann eine reine Musiknummer.

Ich zeigte die Routine an die 70 Mal. Später kam ich auf die Idee, den Einleitungstext einem erwachsenen Publikum anzupassen und schon dabei zwei Effekte zu zeigen – im Anschluss dann die stumme Darbietung. Als Begleitmusik wählte ich den Titel „Si mañana tú no estás“ – eine meiner Lieblings-Rumbamelodien, zu der wir in unserer Turnierzeit sehr häufig geübt haben.

https://www.youtube.com/watch?v=vVzIvg6vl8w

Ein Tipp zu den Musikeinspielungen: Verwenden Sie dazu ausschließlich Aufnahmen, welche Ihnen sehr gut gefallen! Sie werden feststellen, dass damit Ihre Bewegungen mehr Ausdruck gewinnen und wunderbar im Rhythmus fließen.

Im Video zeige ich insgesamt zehn Zauberstab-Effekte in dieser Reihenfolge:

1.     Mayoral-Zauberstab (Tesmar Zauberartikel)

2.     Frau Lots Gürtelband (Zauber Butike)

3.     Färbe-Zauberstäbe (Zauber Butike)

4.     Magiros Streifen-Färbemaschine (Zauber Butike)

5.     Kochlöffel-Zauberstab (Zauber Butike)

6.     Antischwerkraft Zauberstab (Zauber Butike)

7.     Vanishing Wand to Silks (Fantasio)

8.     Hochsteigender Zauberstab

9.     Färbezauberstab (Future Magic)

10. ArCane (Zauberzentrale München)

Als Anregung für Kollegen: Bestimmt besitzen Sie ebenfalls einige Trick-Zauberstäbe, die Sie zu einer zusammenhängenden Routine kombinieren könnten. Probieren Sie es einmal – das Publikum hat bei mir stets sehr positiv auf die abwechselnden Eindrücke reagiert.

Mir fiel es nicht ganz leicht, die Routine nach langer Corona-Pause wieder „auszugraben“. Außerdem sind zwei der Effekte ein wenig „tricky“ (Kollegen werden ahnen, was ich meine). Und zu allem Überfluss zickte die Videokamera zweimal, sodass wir ungewöhnlich viele Versuche benötigten.

Dennoch gilt auch für diese Aufnahme: realer Ablauf ohne Schnitte – selbst wenn dann nicht alles optimal gelingt. Bei einem Live-Auftritt muss es ja auch gehen!

Viel Vergnügen beim Zuschauen!


https://www.youtube.com/watch?v=vIn-SMvAzHM

Freitag, 6. Januar 2023

Video: Meine Tipps für angehende Kollegen

 

Neulich entdeckte ich per Zufall einen Text von mir, den ich schon vor über anderthalb Jahren veröffentlicht hatte. Er gefiel mir so gut, dass ich ihn nun noch einmal – in leicht veränderter Form– als Video vorstellen möchte.

In meinen „Magischen Gedanken 12“ formuliere ich zehn Ratschläge für Menschen, die sich ernsthaft mit der Zauberei befassen wollen. Selber fasziniert mich diese Kunst schon seit über 60 Jahren. 1986 begann ich damit, Vorstellungen auch außerhalb des Familien- und Freundeskreises zu geben.

Das Zaubern lernte ich weitgehend als Autodidakt. Das Internet existierte noch nicht – und Kontakte zu Kollegen und magischen Vereinigungen ergaben sich in der Folge nur sporadisch. Was ich bei diesen Begegnungen erlebte, motivierte mich – rare Einzelbeispiele ausgenommen – nicht, mich im Kreis der Magier wohlzufühlen.

In vielen Fällen war ich mit einer „Bescheidwissenschaft“ konfrontiert: Entscheidend sei es, diverse „Profis“ zu kennen, aktuellen Trends zu folgen und sich ja nicht mit den „Klassikern“ unseres Gewerbes abzugeben.

Das hat mich in den Anfangsjahren oft verunsichert. Führte ich nur „olle Kamellen“ vor? Die Bestätigung meiner Ideen erlebte ich 1987 durch den Gewinn eines lokalen Zauberwettbewerbs, bei dem man das Publikum abstimmen ließ. Mir wurde klar, dass Laien eine Darbietung unter einer völlig anderen Perspektive bewerten, dass bei denen die Klassiker unserer Kunst weitaus besser ankommen als bei den Kollegen.

Ich beschloss damals, mich auf meinem Weg weniger an den Ratschlägen der Branche als am Feedback der normalen Zuschauer zu orientieren, an meinem eigenen Stil, meiner individuellen Bühnen-Persönlichkeit zu arbeiten.

Vor anderthalb Jahren entdeckte ich die „Gespenster der Anfangsjahre“ in einem YouTube-Video wieder: Immer noch das Getue mit den „Profis“, die es angeblich besser wüssten und damit haufenweise Geld verdienten. Damit lockt man Anfänger an, die dann meinen, sie sollten tatsächlich den Beruf des Magiers anstreben – eine Illusion, welche in 99 Prozent aller Fälle in Frust und Enttäuschung endet.

Ich habe in all den Jahren zirka 1100 Auftritte absolviert – die meisten davon gegen Gage. Nach den Maßstäben der Branche könnte ich mich durchaus als „Profi“ bezeichnen. Tue ich aber nicht, denn ich hätte von dem Geld nie und nimmer leben können. Im Endeffekt bescherten mir die Honorare bestenfalls ein „kostenloses Hobby“.

Obwohl ich mir das Zaubern weitgehend selbst beibrachte, wäre ich in den ersten Jahren sehr froh gewesen, von einem erfahrenen Praktiker realistische Tipps zu meiner Weiterentwicklung zu erhalten. Daher dieser Text und auch das Buch, welches ich 2014 veröffentlichte. Wenn das alles auch nur einen Kollegen von der Beschreitung von Irrwegen abhält, wäre das mein schönster Lohn.

Hier nun das neue Video:

https://www.youtube.com/watch?v=Hgo363bJMmA